Ring of fire
Calexico – Jeans-Werbung – Johnny Cash. Was wie eine Sammlung wirrer Querverweise klingt, steht in Wirklichkeit für einen Rückblick auf meine musikalische Erziehung. Der Schlüssel liegt in den Mariachis, die Calexico genauso verwenden wie Johnny Cash auf „Ring Of Fire“. Erstmals bewusst habe ich den Song mit zehn Jahren wahrgenommen auf einem Sampler für Jeans-Werbesong, seinerzeit angeführt von „Mr. Boombastic“. So ganz konnte ich das Phänomen Cash nicht fassen, doch die tiefe, mächtige Stimme hatte es mir angetan. Seine Präsenz war auch auf dem miesesten Walkman wahrnehmbar.
Freilich war Country zu diesem Zeitpunkt kein Fremdwort für mich. Mein Onkel spielte einige Jahre lang in einer Country-Band, deren CD einige Zeit bei mir lief. Traditioneller Country ist für mich mittlerweile nur schwer nachvollziehbar, dafür habe ich 2003 Cash wieder für mich entdeckt. Es war „Hurt“, dieses legendäre Nine Inch Nails-Cover, das sozusagen zum Requiem eines großen Künstlers wurde. Wirklich bewegend ist das dazugehörige Video, das Cash und June Carter an deren Lebensabend zeigt, zitternd und gezeichnet. Ich habe geweint, als ich diesen Clip zum ersten Mal gesehen habe. Nicht zum letzten Mal. Immer noch habe ich Gänsehaut, wenn ich Song höre oder Video sehe. Bewegend bis zum Exzess.
Aber auch darüber hinaus ist Johnny Cash faszinierend, nicht nur wegen seiner „American Recordings“-Serie. Klassiker wie „I Walk The Line“, „Man In Black“ und natürlich „A Boy Named Sue“ sind bei mir ständig präsent, laufen immer wieder, agieren als Farbklecks. Denn egal, wie heavy eine Band auch sein will, alleine die mächtige Stimme Cashs und seine trockene Gitarre drücken jeden Mastodon-Groove gegen die Wand.
R.I.P.