Water is thicker than blood (Ich bin ein Deppenmagnet: Teil 3)
Tja, ich bin meinen Bruder als Kollegen los. Wer uns kennt, weiß ob unserer dauernden Streitigkeiten. Ein großer Faktor war und ist seine Anstellung als Spiele-Redakteur bei einer meiner Projekte. Letzten Herbst habe ich ihn angetestet in der Hoffnung, neue Userschichten zu ergründen. Funktioniert hat das nur, weil er nie angestellt wurde. Er arbeitete seine Artikel aus und durfte dafür sämtliche (durchaus teure) Games behalten. Der Deal war besiegelt.
Leider hat sich das Bild des bemühten Redakteurs sehr schnell gewandelt. Nicht nur, dass es auf einmal Bezahlung sein sollte, auch Qualität und Abgabemoral änderte sich rasant. Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck wurden immer schlimmer – teils hat es mich eine halbe Stunde gekostet, um eine Seite Text lesbar zu machen. Dazu wurden Fristen nicht eingehalten, wobei er mich beschuldigt hat, ich würde ihn unter Druck setzen, wenn ich ihm mehr Zeit gebe. Klingt komisch ist aber so.
Jedenfalls haben sich derartige Vorfälle über ein halbes Jahr angehäuft. Im Nachhinein betrachtet kann ich mir selbst nur den Vorwurf machen, nicht schnell genug gehandelt zu haben. Vor ca. einer Woche ist mir schließlich der Kragen geplatzt. Er hatte die Frist nicht eingehalten und anstatt sich gleich daran zu setzen, ging es an die Glotze und danach an die Gitarre. Daraufhin mein energischer Hinweis – entweder sofort schreiben oder Job los. Kurz darauf wurde ich vor die Wahl gestellt – entweder entschuldige ich mich oder er beschwert sich über mich. An Dreistigkeit ist das kaum zu überbieten.
Dachte ich zumindest. Natürlich habe ich nicht nachgegeben. Ich habe kurz mit meinem Mit-Redakteur und meinem direkten Vorgesetzten Conferénce gehalten – man war auf meiner Seite. Außerdem sollte der Bereich so und so längst schon eingestellt werden, weil das Feedback zu schlecht ist. Wenig später schreibt mich der Mit-Redakteur an und schickt mir ein Mail weiter. Es war das ‘offizielle’ Beschwerdemail meines Bruders, voll von Rechtschreibfehlern und falschen Anschuldigungen. Neben gekünstelter Phrasierung in Hochdeutsch kamen angebliche Zitate meinerseits in Mundart – alle abgerundet mit Schimpftiraden, die so von mir nicht gefallen sind.
Ich habe mich zurückgehalten und meine Kollegen ihre Arbeit machen lassen. So wurde ihm mitgeteilt, er solle seine Machtspiele anderswo austragen und die Section würde geschlossen werden. Damit war er aber nicht zufrieden. Mittlerweile versucht er sich in die Firma zurückzulegen. Trauriger Höhepunkt von heute: seine Behauptung, er habe die Konsole extra für seinen Redakteursposten angeschafft. De facto hat er selbige aber bereits zwei Monate zuvor gekauft und sich bei meinen Eltern verschuldet. Übrigens unter heftigem Protest seiner Freundin. Natürlich weiß mein Kollege mittlerweile davon, mein Bruder hat also Arschleiden.
Feines Detail am Rande: Meine Firma setzt gerade einen neuen Mailserver auf, weswegen mehrere Stunden der Postausgang wegen des zu aggressiv definierten Spamfilters blockiert war. Anders gesagt, ich konnte keine Mails verschickten. Und nicht nur ich. Auch mein Bruder hat eine entsprechende Fehlermeldung bekommen, als er meinem Kollegen eine neue Lügentirade auftischen wollte. Das Resultat? Angeblich soll mein Kollege ihn in den Spamfilter gepackt haben, damit er sich die Kommentare spart. Tatsächlich war es aber jener Fehler des Mailservers. Priceless, idiotisch. So traurig das auch ist, aber von meinem Bruder halte ich nachwievor rein gar nichts, vielleicht sogar noch weniger. Most likely you go your way and I go mine – so hat es schon Bob Dylan gesagt.